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 Betreff des Beitrags: Adoptivsohn mit Alkoholschädigung und jetzt? - vorsicht lang
Ungelesener BeitragVerfasst: 6. Nov 2017 12:50 
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Neuling
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Hallo zusammen!
Vorab möchte ich mitteilen, dass ich nur aus meiner Sicht spreche und es bestimmt auch ganz andere Situationen gibt...

Mein Mann und ich haben jahrelang versucht ein Kind zu bekommen und haben uns dann dazu entschlossen das Adoptivbewerberverfahren in unserer Heimatstadt zu starten. Wir sehen uns nicht als den Nabel der Welt an und denken, dass wir nicht unbedingt unsere Gene weitergeben müssen, um als Familie glücklich zu sein. Ein Adoptivkind war unser Wunsch und wir waren bereit dem Kind all unsere Liebe zu geben, um ihm ein glückliches Leben zu ermöglichen.

Dann nach nur 9 Monaten bekamen wir den überraschenden Anruf vom Jungendamt: Ein Junge war geboren. Vor wenigen Minuten. Die Mutter hatte das Krankenhaus schon wieder verlassen und nur eine kurze Notiz zur Adoptionsbewilligung hinterlassen.

Ich kann nur aus meiner Sicht heraus sagen, dass ich mich tierisch freute. Zitternd ging ich zu meinem Chef, liess mich für 3 Jahre in die Elternzeit verabschieden und düste mit meinem Mann aufgeregt in den 350 km entfernen Geburtsort unseres Sohnes. Ja, ich sage bewusst Sohn, denn ich glaube nicht, dass ich jemals einen Menschen so geliebt habe wie diesen kleinen Schatz.

Dort angekommen wurden wir von einer Jugendamtsmitarbeiterin erwartet und sahen ihn. Wunderschön. Es war, als würde die Welt vor Freude explodieren.

Dann erfuhren wir mehr... zum einen von den Ärzten das unser Sohn starke Entzugserscheinungen (Nikotin, Alkohol und Drogen) hat. Ausserdem das er einen Nierenstau hat. Das haben aber viele Jungs kurz nach der Geburt und das legt sich aber schnell. Die leibliche Mutter ist dem Jungendamt gut bekannt. Sie hat schon mehrere Kinder bekommen, die alle zur Adoption freigegeben wurden und sie wäre keine Alkoholikerin, aber manchmal würde sie Alkohol trinken. Halt auch in der Schwangerschaft.

Wir kannten FASD aus den Aufklärungen für Adoptivbewerber und hatten davor Angst, aber wir waren verliebt.

Gerne hätten wir die leibl. Mutter kennengelernt, aber sie wollte nicht. Das konnten wir auch verstehen, schließlich muss es scheußlich sein ein Kind wegzugeben...

Was dann folgte, waren viele viele Krankenhausaufenthalte. Unser Sohn wurde in diesen 6 Jahren seines Lebens so oft operiert...
4 x Niere
1 x Magen
3 x Wirbelsäule
1x Augen

Er ist schon 2 x dem Tod von der Schippe gesprungen, hat viele viele Schmerzen erleiden müssen.
Wir sind immer bei den angepriesendsten Spezialisten in ganz Deutschland gewesen.

Er trägt ein Korsett, darf aktuell keinen Sport treiben, aber ist seit 3 Monaten in der Schule und fängt an zu lesen. Wundervoll!

Was ich damit sagen will?
Ich habe mich beschimpfen lassen müssen von so manchem Arzt, weil ganz klar ist, dass alle Schäden, die der kleine Körper unseres Sohnes aufweist vorgeburtlich sind. Toxische Einflüsse in der Schwangerschaft. Alkohol, Nikotin und Co.! Natürlich dachten die Ärzte, dass ich mich
während der Schwangerschaft falsch verhalten habe...

Was die leibliche Mutter dazu sagt?
Wir haben sie getroffen, als unser Sohn 10 Monate alt war. Sie hatte zu dem Zeitpunkt wieder einen dicken Babybauch, eine Alkoholfahne und wusste weder den Namen unseres Adoptivsohnes, obwohl sie ihn ihm selber gegeben hat und sie war der Meinung DER ist doch bestimmt schon 1 1/2 Jahre alt... erschreckend... auch wenn wir weiterhin regelmäßig Fotos an sie schicken und sie bitten uns doch bitte auch ein Foto zu schicken oder einen Brief, eine Karte, kommt von ihrer Seite nix.

Genauso bei den anderen Geschwistern.... kein Interesse

Unser Adoptivsohn hat noch 5 weitere Geschwister, die in ganz Deutschland verstreut in Adoptivfamilien leben. Jedes halbe Jahr treffen wir uns alle, unternehmen tolle Sachen und die Geschwister untereinander lieben sich ganz heiß und innig. Alle gehen ganz offen mit dem Thema Adoption um. Das ist uns wichtig...

Insgesamt waren wir mit ihm 20 Wochen im Krankenhaus... Eine Arbeitskollegin (ich arbeite 4 halbe Tage), fragte mich vor kurzem, ob ich es schon bereut hätte ein Kind zu adoptieren...
Ich war fassungslos! Schließlich ist er mein Kind... Nie war mir dieser Gedanke gekommen...

Jetzt erzählt unser Adoptivsohn jedem in der Schule, dass er so viele Narben hat und die kaputte Wirbelsäule, weil er ständig von der Rutsche fällt... (er ist noch NIE von der Rutsche gefallen...).

Was soll ich tun?
Soll ich ihn korrigieren? Ihm sagen, dass er das von Geburt an hat und hoffen, dass ihm dies reicht?
Ich möchte die Schuld nicht auf die leibliche Mutter schieben, obwohl ich der Meinung bin, dass sie Körperverletzung an ihm verübt hat...

Schonmal Danke für Eure Antworten...

Johanne


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 Betreff des Beitrags: Re: Adoptivsohn mit Alkoholschädigung und jetzt? - vorsicht lang
Ungelesener BeitragVerfasst: 6. Nov 2017 17:43 
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Zitat: "
Unser Adoptivsohn hat noch 5 weitere Geschwister, die in ganz Deutschland verstreut in Adoptivfamilien leben. Jedes halbe Jahr treffen wir uns alle..."

Darf man wissen woher du die Namen und Adressen hast? Normalerweise wird so etwas doch gar nicht frei gegeben. Es gibt eine Menge Muetter und Vaeter die ihre Kinder suchen, sie wuerden von deiner Indformationb profitieren koennen.

Deine Frage.
Ich denke sie ist einfach zu beantworten. Du kannst ihm ruhig sagen dass er seit der geburt Probleme hat. Mehr nicht.
Ich wuerde mich an deiner Stelle hueten die Schuld der Mutter zuzuschreiben, denn du erzeugst damit fatalerweise und hoechst wahrscheinlich eine Feindseligkeit des Kindes seiner Mutter gegenueber.
Du hast ihn adoptiert und gibst ihm Liebe, das ist richtig,aber die Mutter ist eine andere Frau, egal wie du dich fuehlst, sorry.
Eine Schuldzuweisung waere auch absolut kontra dein bisheriges Verhalten der Mutter gegenueber.

Und was deine Ansicht der Koerperverletzung betrifft - weder du noch ich noch sonstjemand kann in die Seele der Mutter hinein blicken, wir alle wissen also nicht, aus welcher inneren Verzweiflung sie Alkohol trinkt und Drogen nimmt. (nur mal als beispiel: was wenn sie als kind vergewaltigt oder sonstwie missbraucht wurde und heute den tiefen schmerz und die innere finsternis mit alkohol betaeubt? Hat sie dann ebenso schuld?)

Also der Ehrlichkeit halber klaeren dass er es von Geburt an hat, die Problematik, aber keine Schuldzuweisungen bitte. Es sagt ja auch niemand du seiest Schuld keine Kinder bekommen zu koennen. Manchmal gibt es Situationen, die niemand will und dennoch existieren.
Saludos

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 Betreff des Beitrags: Re: Adoptivsohn mit Alkoholschädigung und jetzt? - vorsicht lang
Ungelesener BeitragVerfasst: 7. Nov 2017 08:28 
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Danke für Deine Antwort.

Ich denke Du hast Recht. Ich möchte sein Bild von der leibl. Mutter nicht zerstören. Wenn er die ärztlichen Berichte liest, dann wird er sich eh seine eigene Meinung bilden. Also wenn er alt genug dazu ist...

Die Anschriften der anderen Adoptivfamilien habe ich über das Jugendamt erbettelt.... bzw. ich habe eine Email mit unseren Kontaktdaten an die anderen Familien geschrieben, sie an das Jugendamt geschickt und das Jugendamt war so lieb die Email an alle weiterzuleiten. Auch an die, die nach unserem Sohn geboren wurden. Zum Glück haben sich alle gemeldet. Jetzt, also schon seit 4 1/2 Jahren, haben wir eine Whats-App-Gruppe, über die wir uns regelmäßig austauschen, Filme schicken, etc.
Ich wünschte, jedes Adoptivkind hätte diese Möglichkeit. Für unsere Kinder ist es total selbstverständlich, dass die Geschwister nicht bei Ihnen wohnen und sie haben trotzdem eine gute Bindung zueinander.

Wünsche allen Lesern einen schönen Tag!


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 Betreff des Beitrags: Re: Adoptivsohn mit Alkoholschädigung und jetzt? - vorsicht lang
Ungelesener BeitragVerfasst: 7. Nov 2017 12:46 
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Das finde ich wirklich toll. Absolut. Glueck mit dem Jugendamt und Glueck dass sich die anderen auch meldeten. Aber allein die Idee ist schon grossartig. Dadurch sind die Kinder nicht isoliert sondern es gibt quasi weiterhin eine Familie aus vielen Personen. Es ist das erste mal in all den Jahren dass ich hoerte dass es jemand macht und dass ist eine Ebene in der sogar ich eine Adoption milder sehe. Der Bitterstoff ist die leibliche Mutter. Meiner Erfahrung nach leiden alle leiblichen Muetter unter der Weggabe des Kindes und wer weiss, ob nicht genau das ihre Verzweiflung verstaerkt und damit Drogen und Alkohol.
Dem kleinen Jungen alles alles Gute von Herzen, in der Hoffnung er lernt tapfer mit den Krankheiten zu leben und sie im laufe seines Lebens als seine Krankheiten auch annehmen koennen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Adoptivsohn mit Alkoholschädigung und jetzt? - vorsicht lang
Ungelesener BeitragVerfasst: 8. Nov 2017 23:11 
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Hallo Johanne,

ach du liebe Zeit, da habt ihr und vor allem euer Sohn ja schon eine Menge hinter euch!
Bei unserer Maus stand auch mal kurzzeitig ein Verdacht auf Entwicklungsstörung/FAS im Raum, hat sich aber zum Glück in Wohlgefallen aufgelöst.

Ich finde es toll, dass ihr Kontakt zur leiblichen Mutter aufgenommen habt und von eurer Seite aufrecht erhaltet, auch wenn von ihr keine Rückmeldung und kein sichtbares Interesse kommt. Schön auch, dass ihr Kontakt zu den leiblichen Geschwistern habt. Das ist von seiten der aufnehmenden Familien leider auch nicht immer erwünscht, wie wir aus Erfahrung wissen: Unsere Tochter weiß, dass sie zwei leibliche Geschwister hat, die in anderen Familien leben. Ihre Geschwister sind ihr sehr wichtig. Zur einen Familie besteht ein guter Kontakt (nicht sehr häufig, aber positiv und stabil, und beiden Kindern sehr wichtig), zum anderen Geschwister wünscht sie sich auch Kontakt, aber die Familie möchte das nicht.

Zitat:
Jetzt erzählt unser Adoptivsohn jedem in der Schule, dass er so viele Narben hat und die kaputte Wirbelsäule, weil er ständig von der Rutsche fällt... (er ist noch NIE von der Rutsche gefallen...).

Was soll ich tun?
Soll ich ihn korrigieren? Ihm sagen, dass er das von Geburt an hat und hoffen, dass ihm dies reicht?
Ich möchte die Schuld nicht auf die leibliche Mutter schieben, obwohl ich der Meinung bin, dass sie Körperverletzung an ihm verübt hat...


Kennst du das Buch "Wieviel Wahrheit braucht mein Kind?" von Irmela Wiemann? Das möchte ich dir empfehlen, sie nimmt dazu auch zu solchen Fragen Stelllung.
Frau Wiemann spricht sich sehr eindeutig dafür aus, Kindern die Wahrheit zu sagen, auch bei schwierigen Situationen und schlimmen Geschichten, begründet das und macht konkrete Vorschläge, wie man das machen kann, mit vielen Beispielen.

Viele Grüße


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 Betreff des Beitrags: Re: Adoptivsohn mit Alkoholschädigung und jetzt? - vorsicht lang
Ungelesener BeitragVerfasst: 8. Nov 2017 23:32 
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Ich würde auch unbedingt zur Wahrheit raten, aber wie Hans es schon vorschlug, die Mutter nicht erwähnen.
Bei vielen Themen reichen kurze Antworten wie "das hast du von Geburt an".
Oft geben sich Kinder erstmal mit diesen Antworten zufrieden. Und wenn es ihnen nicht ausreicht, fragen sie nach.

Viel Kraft euch weiterhin bei all euren Aufgaben.

_________________
Viele Grüße
Chakimaus


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 Betreff des Beitrags: Re: Adoptivsohn mit Alkoholschädigung und jetzt? - vorsicht lang
Ungelesener BeitragVerfasst: 9. Nov 2017 12:49 
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@ Donate: Danke für die lieben Worte. Das Buch werde ich mir bestellen! LG

@ Chakimaus: Ich hoffe es folgt langsam eine Zeit ohne Krankenhausaufenthalte, damit wir endlich mal durchatmen können. LG

@ Hans1: Es bedeutet mir viel, dass Du das so schreibst. Danke. Du hast Recht: Die leibl. Mutter hatte es im Leben immer schwer und natürlich versucht sie mit Alk und Drogen dem zu entfliehen, aber das ist doch auch keine Rechtfertigung einem Kind sowas anzutun... die Behörden müssten versuchen mehr zu helfen, damit die leibl. Mutter aus diesem Loch wieder herauskommt... aber das ist ja leider nicht immer so leicht. Ich sage Dir, es war so krass ein Baby im Arm zu halten das so heftig zuckt und die Augen verdreht, weil es auf Entzug ist... echt ungerecht wie ich finde. So hilflose kleine Wesen...

Habt einen schönen Tag!!

lg
Johanne


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 Betreff des Beitrags: Re: Adoptivsohn mit Alkoholschädigung und jetzt? - vorsicht lang
Ungelesener BeitragVerfasst: 9. Nov 2017 18:11 
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@ Hans1: Es bedeutet mir viel, dass Du das so schreibst. Danke. Du hast Recht: Die leibl. Mutter hatte es im Leben immer schwer und natürlich versucht sie mit Alk und Drogen dem zu entfliehen, aber das ist doch auch keine Rechtfertigung einem Kind sowas anzutun... die Behörden müssten versuchen mehr zu helfen, damit die leibl. Mutter aus diesem Loch wieder herauskommt... aber das ist ja leider nicht immer so leicht. Ich sage Dir, es war so krass ein Baby im Arm zu halten das so heftig zuckt und die Augen verdreht, weil es auf Entzug ist... echt ungerecht wie ich finde. So hilflose kleine Wesen...

Johanne


Das Problem ist, wie oft, dass es im Grunde nicht das Problem des Amtes ist, sondern der betreffenden Person. Es hilft nichts wenn das Amt mehr hilft, solange die Person mental nichts aendert. Es gibt fuer Drogensuechtige ja wirklich Hilfe, Entzugsanstalten, Therapien, aber es ist ein Drehtuermechanismus. Die Ursachen der Sucht sitzen meistens so tief, dass diese Menschen nur mit sehr strenger Selbstdisziplin und einer Tiefenanalyse frei werden koennen. Und die Aemter muessten schneller reagieren, aber die Buerokratie schleppt sich. Ich hatte einen Freund in Deutschland, er war suechtig und wollte unbedingt weg. Er hatte eine Frau und ein Baby. Er wartete und wartete, Woche um Woche, dass sein Antrag auf einen Therapieplatz durch die Krankenkasse genehmigt wird.
Es kam nichts. Er hat das Vertrauen verloren. Er ging in ein Stundenhotel, setzte sich den "Goldenen Schuss", eine Ueberdosis Heroin und starb. Ich war bei seiner Beerdigung. Ein Tag danach kam Post von der Kasse, die Therapie ist bewilligt. (Seine Witwe hats mir mitgeteilt) Er war 27, seine Frau 24. Und das Baby ein paar Wochen jung.
Absurd, absurd.

Ich kenne dein Gefuehl. Ich habe in den 80er Jahren mal kurz in einem Heim fuer koerperlich und geistig Behinderte gearbeitet. Da war ein Buendel Mensch, nicht groessre als ein 4-jaehriges Kind, war "erwachsen", so 22 Jahre, war blind, alles verkuemmert und verbogen, die Haende verbogen, die Arme, aber sie lachte, sie strahlte, du, wenn sie eine Maennerstimme hoerte. Es ging mir sehr tief ins Herz. Nie vergessen.

Nein, die Sucht rechtfertigt nicht das Verhalten der Mutter und ich tu es auch nicht. Aber das ist das Problem der Suechtigen, sie sehen die Welt wie unter einem umgekehrten Fernglas, sie sehen einzig und allein iher Sucht, alles andere verschwindet. Es ist das, was wir als Asozial bezeichnen, es interessiert nicht mehr der Naechste, die Verantwortung, es interessiert nur noch der Stoff. Arme Menschen. Es gibt ein hervorragendes Buch "Kapitulation, Aufgang einer Krankheit" , so in den 80ern geschrieben, ein hoch begabter Autor beschreibt seine Sucht ueber Jahre, wie er fast die ganze Familie zerstoerte, im Dreck landete, Buchstaeblich, verpisst, verdreckt, alles egal. Und nur unter Mueh herausfand durch die AA. Gibts sicher im Antiquariat.( gibt es bei Amazon, Ernst Herhaus | ISBN: 9783257214512 | ).

Diese Menschen sind endlos bedauernswert. Sie kennen keine Liebe mehr, kein Mitgefuehl, nur noch den Stoff. Ja, sie sind wirklich Krank, seelisch und koerperlich.
Hoch beachtenswert dass ihr dennoch das Kind nahmt, und nicht selektiert habt, sondern den Menschen nehmt wie er ist, mit all seinen bedauerlichen Schwaechen. Es tun nur sehr wenige.

Warte ab, meine Erfahrung ist, dass so Menschen wie die Mutter eines Tages zur Besinnung kommt und erkennt dass sie alles verlor und sie nackt und alleine steht und das ist der Moment wo sie eine Entscheidung treffen kann, mal nach den Kindern zu schauen, so ein Stueck Mutterliebe ist auch in schwer Suchtkranken.

Ich wuensche euch auf jedenfall Staerke und Ausdauer und Geduld und dem Kleinen alle Liebe der Welt und eure natuerlich.
Was waere das Leben ohne die Liebe?

Ja, schade dass das Forum nur noch schwach besucht ist.
Saludos.

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