Adoptionsforum

Austausch und Info von und für Betroffene rund um das Thema Adoption
Aktuelle Zeit: 26. Sep 2017 02:20

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 60 Beiträge ] Gehe zu Seite  Vorherige  1, 2, 3, 4, 5, 6  Nächste
AbonnentenAbonnenten: 0
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 12032

AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Re: Psychische Folgen der Adoption für Adoptierte......was t
Ungelesener BeitragVerfasst: 28. Jan 2013 20:21 
Offline
Oftschreiber
Oftschreiber

Registriert: 05.2011
Beiträge: 50
Danke gegeben: 0
Danke bekommen: 1x in 1 Post
Geschlecht: nicht angegeben
ich bin: Adoptierte
Hallo Perrin,

erst mal herzlich willkommen.

Was du beschreibst kenne ich nur zu gut.
Ich habe schon als Kind erfahren das ich adoptiert bin und bin daher mit dem Wissen aufgewachsen,
dass ich schon als Baby nicht gewollt war. Dadurch hat sich bei mir nie ein Selbstbewusstsein entwickelt.
Ich war als Kind schon sehr unsicher und mir meiner nicht bewusst. Nachdem meine H-Mutter auch
später nur Ablehnend auf mich reagiert hat, hat es sich bei mir soweit entwickelt das
ich mich selbst verletzt habe und auch regelmäßig stationär psychiatrisch behandelt werden musst, weil ich mich einfach nicht mochte und mir die Schuld an der Adoption gegeben habe.

Was mich aber selbst am meisten stört, ist die Tatsache das ich es immer allen recht mache,
aus Angst verlassen zu werden. Egal ob im privaten oder beruflichen Umfeld.
Bloß keine Fehler machen, bloß keinen eigenen Willen zeigen..man könnte ja verlassen/entlassen/allein gelassen werden..
..letztendlich ist meine Ehe daran gescheitert.

Und das alles obwohl ich in einer wunderbaren Familie aufgewachsen bin,
in der ich immer geliebt wurde/werde.

Ich denke, egal wie herzlich die A-Familie auch ist, diese seelische Verletzung spürt man schon
als Baby. Diese Verletzung wieder zu heilen bzw. ohne Narben dies alles zu überstehen ist verdammt schwer.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Psychische Folgen der Adoption für Adoptierte......was t
Ungelesener BeitragVerfasst: 28. Jan 2013 20:30 
Offline
Forumseigener Vielschreiber
Forumseigener Vielschreiber

Registriert: 02.2012
Beiträge: 589
Danke gegeben: 17
Danke bekommen: 26x in 24 Posts
Geschlecht: nicht angegeben
Geschlecht: Frau
ich bin: Adoptierte
Die Angst,Fehler zu machen ist bei mir auch ganz tief drin. Anderen kann ich Fehlern zugestehen,mir selber aber nicht.

_________________
Manche Leute haben die Intelligenz eines Strohballens.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Psychische Folgen der Adoption für Adoptierte......was t
Ungelesener BeitragVerfasst: 28. Jan 2013 20:41 
Offline
Top Forumsinventar
Top Forumsinventar

Registriert: 07.2011
Beiträge: 457
Danke gegeben: 5
Danke bekommen: 4x in 3 Posts
Geschlecht: weiblich
Geschlecht: Frau
ich bin: Adoptivmutter
Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich die Gefühle, nicht an sich selbst zu glauben, Angst Fehler zu machen, ggf. Selbsthass (in Form von unkontrollierten Wutanfällen) schon bei unseren 9- und 6jährigen Kindern beobachte.

Deshalb achten wir sehr darauf, sie viel zu loben, ihre Leistungen zu schätzen, die Schwächen zwar benennen, aber möglichst nicht so hervorheben, zu sagen, dass sie hübsch aussehen usw.
Es ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, ich weiß das, aber es immerhin ein Tropfen und wir merken, wie sie aufblühen, wenn man sie lobt oder sich wertschätzend äußert.

_________________
Viele Grüße
Chakimaus


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Psychische Folgen der Adoption für Adoptierte......was t
Ungelesener BeitragVerfasst: 28. Jan 2013 20:42 
Offline
Schreiberling
Schreiberling

Registriert: 01.2013
Beiträge: 30
Danke gegeben: 0
Danke bekommen: 1x in 1 Post
Geschlecht: nicht angegeben
ich bin: Adoptierte
Hallo Perrin,
ich schließe mich Hans an und gehe noch einen Schritt weiter.
Ich war über viele Jahre in einer etwas ähnlichen Situation wie Du.
Ich hatte meine leibliche Mutter zwar kennengelernt und bereits einiges über die Umstände meiner Adoption erfahren, als meine Mutter begann, mir kurz vor geplanten Treffen wieder abzusagen, mich teilweise auslud, wenn andere (scheinbar) wichtigere Familienmitglieder sich unverhofft ansagten. Sie sagte mir außerdem, sie könne sich an meine Geburt nicht mehr erinnern und erzählte auch Dinge von denen ich wusste, dass sie nicht stimmten.
Das alles konnte ich nicht aushalten. Um mich zu schützen, unterbrach ich den Kontakt und ruderte für viele Jahre zwischen den Gefühlen von Hass und Liebe hin und her. Ich habe dabei für mich gelernt, dass Hass und Liebe zusammengehören. Ich konnte nur hassen, weil ich liebte. Und irgendwann konnte ich wieder lieben, weil ich es mir vorher erlaubt hatte, abgrundtief zu hassen. Zu Beginn blieb ich im Hass stecken, weil ich ihn einerseits so stark empfand, andererseits aber niemals ein Mensch sein wollte, der hasst (Ich wollte eine von den "Guten" sein) und mir deshalb verbot, dieses Gefühl voll und ganz zu empfinden.
Aber Gefühle laufen durch uns durch, wenn wir sie lassen. Nach einem Gefühl kommt das nächste, danach ein neues und danach wieder ein neues. Der Hass kommt immer wieder. Und die Liebe auch. Und der Selbsthass auch und die Wertlosigkeit auch. Und die Selbstliebe kam , als ich dieses seltsame Spiel des Lebens endlich verstand.
Wir können lernen durch diese Gefühle hindurch zu gehen. Mitten rein und dann wieder heraus.

Mein Schreibexperiment damals war Folgendes: Als ich wusste, dass ich nichts mehr tun konnte, um meine Mutter für mich zu gewinnen, habe ich ohnmächtig über meine Ohnmacht geschrieben. Als ich wütend auf sie wurde, habe ich wütend über meine Wut geschrieben usw. Aber jetzt kommt's: Ich habe es als Brief - direkt an SIE - geschrieben. Aber ich habe ihn niemals abgeschickt (das war die Voraussetzung dafür, dass ich wirklich frei schreiben konnte).
Das Besondere war, dass ich an einer Stelle sehr traurig und verzweifelt war und da habe ich in diesen Brief hineingeschrieben, was ich von ihr, meiner Mutter, hören wollte. Ich habe ihr in wörtlicher Rede alles in den Mund gelegt, was sie meiner Meinung nach zu mir hätte sagen sollte. ALLES! Neben reichlich Tränen, kam auch ein neues Gefühl: Selbstliebe! Ich hatte mir mit alledem, was ich meiner Mutter in den Mund drängte, selbst gesagt, was ich hören musste.
Vielleicht kann auch Dir dieses Experiment einen Schritt weiter helfen. Wohin auch immer...

Jahre später - der Schmerz war immer noch von Zeit zu Zeit da, aber ich war im Frieden mit meiner Mutter - da kontaktierte sie mich plötzlich. Und ich konnte die Chance ergreifen, weil ich alles getan hatte, mich innerlich offen und beweglich zu halten.
Ich hatte großes Glück! im letzten Jahr hat sie mich zurückadoptiert.

Lieber Perrin,
ich höre und sehe Dich in Deinem Schmerz. Erforsche Deinen Schmerz - vielleicht auch im Rahmen einer Therapie - und lass' Deinen Schmerz zu Deinem größten Schatz werden. Denn: Dadurch, dass DU diesen Schmerz erleben und aushalten kannst, dadurch, dass Du ihn kennenlernst, kannst Du eine Stärke entwickeln, von der viele Menschen nur träumen können.
Und unterwegs auf Deiner Heldenreise sind in diesem Forum sicher immer Menschen, die unbedingt wissen wollen, wie es Dir ergeht.
Ich wünsche Dir von Herzen Zuversicht und einen riesigen Abenteuermut!

Herzlichst,
snow


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Psychische Folgen der Adoption für Adoptierte......was t
Ungelesener BeitragVerfasst: 28. Jan 2013 22:17 
Offline
Neuling
Neuling

Registriert: 01.2013
Beiträge: 8
Danke gegeben: 0
Danke bekommen: 0x in 0 Post
Geschlecht: nicht angegeben
ich bin: Adoptierter
Wow so viele Antworten.

Wie ich sehe bin ich mit meinen Gefühlen/Problemen wirklich nicht alleine.

Danke !!!!

Ja, ich habe mehrfach mit sehr freundlichen und unverbindlichen Briefen versucht mit meiner Mutter in Kontakt zu kommen. Ich habe außdrücklich geschrieben, dass ich keinerlei negative Gefühle für sie habe sondern sie einfach mal gerne kennenlerne würde und sei es nur ein einziges mal.

Ich denke jeder Mensch hat das Recht wenigstens 1x seine leibliche Mutter zu sehen.

Meine Schwester ist nur 2 Jahre älter als ich und vom gleichen Vater (amerikanischer Soldat).

Meine Schwester hat sie behalten und mich weggegeben....kein schöner Gedanke.

Mein leiblicher Vater hat zum Zeitpunkt meiner Geburt wieder in den USA gelebt und hat erst nach meiner Adoption erfahren das ich weggegeben wurde.

Was für unterdrückte Emotionen dieses Thema in einem auslöst wurde mir bewußt, als meine Großmutter aus Amerika mir den Soldatenhut meines Vaters geschickt hat und ich als ich das Paket geöffnet habe weinend zusammengebrochen bin.

Ich glaube wir müssen uns einfach bewußt werden, dass eine Adoption kein normale Sache ist. Es ist ein schwer traumtisches Erlebnis für alle Beteiligten und man muss die seelischen Narben die man davonträgt als Teil der eigenen Identität annehmen.

Nachdem was ich hier so gelesen habe frage ich mich ehrlich ob man seelische "Schäden" die man nun sein ganzes Leben mit sich trägt überhaupt therapieren kann.
Ich habe auch 1 Jahr Psychotherapie hinter mir das rein garnichts gebracht hat.

Vielleicht muss man, wie z.B. jemand der ein Bein verloren hat, sein Leben seinen eigenen körperlichen bzw. in diesem Fall seelischen Verletzungen anpassen anstatt zu versuchen sein ganzes Leben normal zu sein und immer wieder zu scheitern.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Psychische Folgen der Adoption für Adoptierte......was t
Ungelesener BeitragVerfasst: 28. Jan 2013 22:28 
Offline
Oftschreiber
Oftschreiber

Registriert: 05.2011
Beiträge: 50
Danke gegeben: 0
Danke bekommen: 1x in 1 Post
Geschlecht: nicht angegeben
ich bin: Adoptierte
Ich denke da ähnlich wie du Peerin. Gewisse seelische Schäden kann man einfach nicht therapieren.
Im Laufe der letzten 14 Jahre war ich mehr als 6 mal langfristig stationär in Behandlung und es hat nix gebracht.
Es sind einfach Wunde die man nicht heilen kann, weil sie versucht wurden durch etwas, dass ja nicht einfach irgendwie verschwindet.
Das Thema Adoption, Herkunft wir einen nicht einfach irgendwann los lassen.
Ich habe mir angewöhnt mit meinen "Schäden" bzw. Krankheiten zu leben..so gut es eben geht und nehme diese als Teil meiner Geschichte und meines Lebens einfach mit auf.
Wie du schon schreibst..man mich sich seinen Verletzungen anpassen und damit leben.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Psychische Folgen der Adoption für Adoptierte......was t
Ungelesener BeitragVerfasst: 28. Jan 2013 23:14 
Offline
Forenfamilie
Forenfamilie

Registriert: 02.2008
Beiträge: 2229
Danke gegeben: 34
Danke bekommen: 42x in 37 Posts
Geschlecht: weiblich
Geschlecht: Frau
ich bin: Adoptivmutter
Sah gerade beim Absenden, dass zwischenzeitlich 2 weitere Beiträge eingegangen sind, auf die ich hier nicht eingehe.

Hallo Perrin, Leana, Käfer, riddle und Marleen,
Zitat:
Und das alles obwohl ich in einer wunderbaren Familie aufgewachsen bin,
in der ich immer geliebt wurde/werde.

Es tut mir wirklich in der Seele weh, Euch so leiden zu sehen. Wenn ich könnte, würde ich Euch helfen, auch die Liebe und Zuwendung, die Ihr Euch von Eurer H-Familie wünscht, zu erhalten; ich glaube, bei ihnen liegt der Schlüssel, Euch von Eurem Wert zu überzeugen, indem sie Euch ihre Liebe zeigen und nicht Eure Wertlosigkeit für sie.

Als Ado-Eltern kann man sich noch so bemühen, dem Kind alles an Sorge, Geborgenheit, Zuwendung, Liebe usw. zu geben, aber irgendwo bleibt doch ein Loch in dessen Seele,das wir allein nicht zu füllen oder zu heilen vermögen. Das gibt uns zuweilen das Gefühl, nicht ausreichend zu sein, ohne dass uns Instrumente zugespielt werden, auch den Rest zum rundum Glücklichsein noch zu schaffen. Daher ist es wichtig, dass A-Eltern und H-Eltern zusammenwirken in der gemeinsamen Sorge um "ihr" Kind.

Meinem Sohn ergeht es ähnlich. Seine H-Familie hatte ihn "gefunden", aber die Beziehung ist von Seiten der H-Familie mehr als oberflächlich, was meinem Sohn zu schaffen macht, weil dieses Verhalten ihm signalisiert, er gehöre absolut nicht dazu. Einige Male schon äußerte er den Wunsch, lieber nicht gefunden worden zu sein, denn vorher hätte er doch noch zufriedener gelebt. Als ihm freimütig der Grund seiner Abgabe "untergejubelt" wurde, verlor er zunächst für einige Zeit den Boden unter den Füßen und wurde krank. Auch eine kürzliche Aussprache, von der er sich viel versprach, änderte an der Situation absolut nichts. Jetzt sagt er sich immer wieder, es ginge ihm besser, wenn er sich total zurückzieht. Aber das unterschwellige Leiden kommt zum Vorschein, wenn er wiederholt sagt: "es könnte doch so schön sein .......", zumal er sich von jeher Geschwister gewünscht hatte. Als A-Eltern können wir auch nichts machen - wir hatten uns bemüht, zum Wohle unseres Sohnes mit der Familie eine Art Freundschaft aufzubauen, aber irgendwie gelingt es nicht. Es freut mich immer wieder, hier zu lesen, dass es Adoptierten in einigen Fällen gelang oder gelingt, zu ihrer H-Familie eine gute oder auch intensive Beziehung hinzubekommen.

@Perrin,
was hältst Du davon, Dich an eine Mitarbeiterin des Jugendamtes mit der Bitte zu wenden, Dir bei einem Zugang zu Deiner Mutter behilflich zu sein? Das könnte entweder mittels eines Telefonats geschehen oder aber durch einen Brief der Mitarbeiterin an Deine Mutter, in denen sie schildert, wie wichtig es für die Psyche der Adoptierten ist, wenigstens ein Gespräch mit der leiblichen Mutter zu führen, allerdings ohne dabei irgendwelche Vorwürfe oder Vorhaltungen zu machen. Einzig und allein das persönliche Kennenlernen der Mutter, die das Kind geboren hat, das Erfassen ihres Gesichtes und ihrer Ausstrahlung ist von großer Bedeutung. (Dabei kann die Mitarbeiterin evtl. noch weitere Fakten anführen, die Dir von Belang sind). Wenn Amtspersonen sich einschalten, bekommt die Angelegenheit vielleicht mehr Gehalt, als wenn das abgegebene Kind um ein Kennenlernen bittet. Was Deine Schwester betrifft: Könntest Du nicht versuchen, über Facebook mit ihr in Kontakt zu kommen?

Wünsche Euch allen eine Änderung der Einstellung Eurer H-Mütter (und vielleicht auch -geschwister), ihre Erkenntnis, dass Ihr besonders wertvolle Menschen seid, die durch die Adoptionserfahrung eine besondere seelische Tiefe und Reife erlangt haben und dadurch besonders liebenswerte Angehörige seid, die im Umgang besonders liebenswert sind.

Ihr seid wirklich tolle, wertvolle Menschen, jeder einzelne von Euch!

LG
Martina

_________________
Habe stets Respekt:
- Respekt vor Dir selbst,
- Respekt vor anderen,
- übernimm Verantwortung für Deine Taten. (Dalai Lama)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Psychische Folgen der Adoption für Adoptierte......was t
Ungelesener BeitragVerfasst: 28. Jan 2013 23:43 
Offline
Forenfamilie
Forenfamilie
Benutzeravatar

Registriert: 12.2007
Beiträge: 5490
Wohnort: 87700
Danke gegeben: 4
Danke bekommen: 41x in 38 Posts
Geschlecht: weiblich
Meine Homepage: www.cornelia-oehlert.de
Geschlecht: Frau
ich bin: Herkunftsmutter
Martina hat geschrieben:
Wenn ich könnte, würde ich Euch helfen, auch die Liebe und Zuwendung, die Ihr Euch von Eurer H-Familie wünscht, zu erhalten; ich glaube, bei ihnen liegt der Schlüssel, Euch von Eurem Wert zu überzeugen, indem sie Euch ihre Liebe zeigen und nicht Eure Wertlosigkeit für sie.
Die aktuelle Adoptionsgesetzgebung sieht nicht vor, dass die Herkunftsfamilie später wieder in Erscheinung tritt. Wie kann dann der Schlüssel zum Glück von Adoptierten ausgerechnet in ihren Herkunftseltern zu finden sein? Ich persönlich würde mein Glück zunächst einmal garantiert nicht dort suchen, wo ich einst weggegeben wurde, sondern dort, wo ich willkommen geheißen wurde.

Was erwartest Du von Vätern/Müttern, die sich selbst ins Aus geschossen haben und dafür mit einem Jahre oder Jahrzehnte langen Inkognito belohnt wurden?
Außerdem haben Adoptierte, ganz nach Gesetzgeber(!), mitnichten ein Recht auf Kontakt zu ihrer Herkunft. Dass das moralisch ein Unding ist, interessiert den Gesetzgeber offenbar bis heute nicht, was man unschwer an der Art erkennen kann, mit der manche JÄ Adoptierte bei der Suche NICHT unterstützen.

_________________
Eine Herkunftsmutter, die die Weggabe von Anfang an bereut hat
www.cornelia-oehlert.de


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Psychische Folgen der Adoption für Adoptierte......was t
Ungelesener BeitragVerfasst: 29. Jan 2013 00:05 
Offline
Forenfamilie
Forenfamilie

Registriert: 02.2008
Beiträge: 2229
Danke gegeben: 34
Danke bekommen: 42x in 37 Posts
Geschlecht: weiblich
Geschlecht: Frau
ich bin: Adoptivmutter
mausi51 hat geschrieben:
Martina hat geschrieben:
Wenn ich könnte, würde ich Euch helfen, auch die Liebe und Zuwendung, die Ihr Euch von Eurer H-Familie wünscht, zu erhalten; ich glaube, bei ihnen liegt der Schlüssel, Euch von Eurem Wert zu überzeugen, indem sie Euch ihre Liebe zeigen und nicht Eure Wertlosigkeit für sie.


Zitat:
Die aktuelle Adoptionsgesetzgebung sieht nicht vor, dass die Herkunftsfamilie später wieder in Erscheinung tritt. Wie kann dann der Schlüssel zum Glück von Adoptierten ausgerechnet in ihren Herkunftseltern zu finden sein? Ich persönlich würde mein Glück zunächst einmal garantiert nicht dort suchen, wo ich einst weggegeben wurde, sondern dort, wo ich willkommen geheißen wurde.

Die Gesetzgebung steckt vielleicht noch in den Kinderschuhen, aber das Umdenken hat bei vielen Jugendämtern schon begonnen und eine Reihe von ihnen ist redlich bemüht, für die suchenden Adoptierten einen Kontakt zu den H-Müttern/Vätern zu organisieren, sei es durch Ermittlung der Anschriften oder durch Ratschläge, welche Schritte sie gehen können. Viele Adoptierte hier im Forum haben schon davon berichtet.

Zitat:
Was erwartest Du von Vätern/Müttern, die sich selbst ins Aus geschossen haben und dafür mit einem Jahre oder Jahrzehnte langen Inkognito belohnt wurden?

Dass die Liebe zu den von ihnen geborenen Kindern nie aufhört; dass die Sorge um sie ihnen erhalten bleibt, auch wenn das Inkognito dazwischengeschaltet wurde. Aber das ist nur ein Begriff, der persönliche Kontakte für einige Jahre erschwert oder unmöglich macht (heutzutage nicht mehr in dem Maße), aber die psychische Verbindung und damit die Hoffnung auf ein späteres Wiedersehen sollte immer vorhanden sein. (In der heutigen Zeit müsste bereits das Jugendamt dafür sorgen, nach den Erfahrungen, die sie zwischenzeitlich mit Adoptionen gesammelt haben).

Zitat:
Außerdem haben Adoptierte, ganz nach Gesetzgeber(!), mitnichten ein Recht auf Kontakt zu ihrer Herkunft. Dass das moralisch ein Unding ist, interessiert den Gesetzgeber offenbar bis heute nicht, was man unschwer an der Art erkennen kann, mit der manche JÄ Adoptierte bei der Suche NICHT unterstützen.

Der Gesetzgeber hat schon in etlichen Urteilen das Recht der Adoptierten gestärkt und die Herkunft verpflichtet, ihren abgegebenen Kindern wenigstens die mindesten Fragen zu beantworten.
Wie allein aus diesem Faden hervorgeht, liegt der Schlüssel für ein von Adoptionstraumen befreites Leben zu einem nicht geringen Teil auch bei den H-Eltern. Die A-Eltern können sich da beide Beine ausreißen und decken damit doch nicht alle Bedürfnisse ab. (Nicht für alle Adoptierten, aber doch für eine große Anzahl von ihnen). Das ist Fakt und die Schreiberinnen saugen sich das mit Sicherheit nicht aus den Fingern, um sich hier im Forum interessant zu machen.

_________________
Habe stets Respekt:
- Respekt vor Dir selbst,
- Respekt vor anderen,
- übernimm Verantwortung für Deine Taten. (Dalai Lama)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Psychische Folgen der Adoption für Adoptierte......was t
Ungelesener BeitragVerfasst: 29. Jan 2013 08:40 
Offline
Forenfamilie
Forenfamilie
Benutzeravatar

Registriert: 12.2007
Beiträge: 5490
Wohnort: 87700
Danke gegeben: 4
Danke bekommen: 41x in 38 Posts
Geschlecht: weiblich
Meine Homepage: www.cornelia-oehlert.de
Geschlecht: Frau
ich bin: Herkunftsmutter
Martina hat geschrieben:
mausi51 hat geschrieben:
Die aktuelle Adoptionsgesetzgebung sieht nicht vor, dass die Herkunftsfamilie später wieder in Erscheinung tritt. Wie kann dann der Schlüssel zum Glück von Adoptierten ausgerechnet in ihren Herkunftseltern zu finden sein? Ich persönlich würde mein Glück zunächst einmal garantiert nicht dort suchen, wo ich einst weggegeben wurde, sondern dort, wo ich willkommen geheißen wurde.

Die Gesetzgebung steckt vielleicht noch in den Kinderschuhen, aber das Umdenken hat bei vielen Jugendämtern schon begonnen und eine Reihe von ihnen ist redlich bemüht, für die suchenden Adoptierten einen Kontakt zu den H-Müttern/Vätern zu organisieren, sei es durch Ermittlung der Anschriften oder durch Ratschläge, welche Schritte sie gehen können. Viele Adoptierte hier im Forum haben schon davon berichtet.
Nein, "die Gesetzgebung" steckt in alten, ziemlich ausgelatschten Tretern, denn meines Wissens hat sich diese Gesetzgebung seit 1976 nicht mehr geändert. Die nächste geplante Änderung ist wohl die, dass Adoption für Schwule und Lesben erleichtert werden soll und, dass die Atersggrenze wieder angehoben werden soll. Von einer Erleicheteriúng bei der Suche, oder gar der Verbannung des Inkognitos in den Keller, habe ich jedenfalls nichts gehört.

Solange das Umdenken nur in den Köpfen stattfindet, die auch ohne Gesetze menschlich sind oder sein würden, andererseits aber bis heute(!) viele Sozialarbeiter sogar noch bei erwachsenen Adoptierten deren Eltern das Recht zubilligen über eine Kontaktaufnahme seitens bio-Eltern zu entscheiden, ist es nicht weit her mit der Modernisierung. Das hat eher etwas mit Roulett zu tun.

Martina hat geschrieben:
Mausi51 hat geschrieben:
Was erwartest Du von Vätern/Müttern, die sich selbst ins Aus geschossen haben und dafür mit einem Jahre oder Jahrzehnte langen Inkognito belohnt wurden?
Dass die Liebe zu den von ihnen geborenen Kindern nie aufhört; dass die Sorge um sie ihnen erhalten bleibt, auch wenn das Inkognito dazwischengeschaltet wurde. Aber das ist nur ein Begriff, der persönliche Kontakte für einige Jahre erschwert oder unmöglich macht (heutzutage nicht mehr in dem Maße), aber die psychische Verbindung und damit die Hoffnung auf ein späteres Wiedersehen sollte immer vorhanden sein. (In der heutigen Zeit müsste bereits das Jugendamt dafür sorgen, nach den Erfahrungen, die sie zwischenzeitlich mit Adoptionen gesammelt haben)
Das ist Traumtänzerei. Abgebende Mütter/Väter sind bis heute nicht gesellschaftsfähig und so werden sie, mit Ausnahme von einigen modern denkenden Adoptiveltern, von dieser Gesellschaft auch behandelt. Hör' und sieh' dich doch mal um im großen weiten www! Bei den in Deutschland lebenden ca. 500.000 Adoptierten stammt mindestens die Hälfte von deren Adoption "aus alten Zeiten" und in diesen Zeiten wurde man bei der Weggabe höchst selten gebauchpsinselt, auch wenn User wie Patricia das hier so gerne glauben machen wollen.
"Alte" bio-Eltern wurden bestenfalls ignoriert, eher respektlos behandelt, sobald sie unterschrieben hatten. Besonders Naiven hat man sogar verbal verboten, sich je wieder nach ihren "ehemaligen" Kindern zu erkundigen.

Klar, solche Menschen sind dann sofort bereit Hurra zu schreien, wenn sie nach ewig langem Schweigen und Verheimlichungen um ein persönliches Treffen gebeten werden. :doh
Für Viele ist das eher ein Schlag mit der Keule ins Genick, denn sie rechnen überhaupt nicht damit, dass da mal einer vor der Tür stehen wird. Dass sie so lange schwiegen, liegt oft nicht an ihnen alleine (siehe oben)!.

Die Bereitschaft, die Kontaktanfrage mit Freude zu erwidern, wird hauptsächlich dort zu finden sein, wo der Umgang mit den bio-Eltern von der Beratung an respektvoll war (seitens Vermittler und/oder A-Eltern) und, wenn sich die bio-Eltern, trotz Ermahnungen seitens Vermittler, nie innerlich von ihren Kindern verabschiedet hatten.

Martina hat geschrieben:
mausi51 hat geschrieben:
Außerdem haben Adoptierte, ganz nach Gesetzgeber(!), mitnichten ein Recht auf Kontakt zu ihrer Herkunft. Dass das moralisch ein Unding ist, interessiert den Gesetzgeber offenbar bis heute nicht, was man unschwer an der Art erkennen kann, mit der manche JÄ Adoptierte bei der Suche NICHT unterstützen.
Der Gesetzgeber hat schon in etlichen Urteilen das Recht der Adoptierten gestärkt und die Herkunft verpflichtet, ihren abgegebenen Kindern wenigstens die mindesten Fragen zu beantworten.
Bitte diese Urteile benennen. Ich lerne gerne dazu, kann mir aber kaum vorstellen, dass bei der aktuellen Gesetzeslage so etwas möglich ist.
Adoptierte haben ein Recht auf Kenntnis ihrer Herkunft, aber die Fakten müssen nicht die bio-Eltern persönlich mitteilen, sondern damit ist eher gemeint, dass sie alles erfahren sollen, was in den Akten steht. Darauf haben sie ein Recht, nicht aber auf einen persönlichen Rapport!

Es geht Perrin hier offenbar auch nicht um die bloße Beantwortung von Fragen, sondern um einen persönlichen Kontakt:
Perrin hat geschrieben:
Auch die Suche nach den Herkunftseltern hat mir nicht geholfen. Mein leiblicher Vater (Amerikaner) ist tot und meine leibliche Mutter und Schwester wollen keinen Kontakt, sprich ich habe diese noch nie getroffen.
Genau darauf bin ich in meiner ersten Antwort eingegangen.

Martina hat geschrieben:
Wie allein aus diesem Faden hervorgeht, liegt der Schlüssel für ein von Adoptionstraumen befreites Leben zu einem nicht geringen Teil auch bei den H-Eltern. Die A-Eltern können sich da beide Beine ausreißen und decken damit doch nicht alle Bedürfnisse ab. (Nicht für alle Adoptierten, aber doch für eine große Anzahl von ihnen). Das ist Fakt
Einspruch. Der Schlüssel liegt in der Weggabe selbst. Meist werden dort schon die Weichen gestellt wie eine Kontaktanfrage seitens Adoptierten später aussehen wird.

Martina hat geschrieben:
... und die Schreiberinnen saugen sich das mit Sicherheit nicht aus den Fingern, um sich hier im Forum interessant zu machen.
Reine Polemik!
Kein Mensch zweifelt die Nöte von Adoptierten an. Ganz im Gegenteil. Es geht um Ursachenforschung.

_________________
Eine Herkunftsmutter, die die Weggabe von Anfang an bereut hat
www.cornelia-oehlert.de


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 60 Beiträge ] Gehe zu Seite  Vorherige  1, 2, 3, 4, 5, 6  Nächste

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Besucher kamen durch folgende Suchbegriffe auf diese Seite:

adoption psychische probleme

adoption psychische folgen

adoptiert psychische probleme

spätfolgen adoption

psychische folgen adoption psychische probleme durch adoption adoption spätfolgen forum für adoptierte adoption psychische folgen für das kind probleme adoptierter kinder psychische folgen von adoption adoption auswirkungen auslandsadoption folgen fūr adoptierte psychische Folgen der Adoption psychische auswirkungen adoption content psychische störungen durch adoption forum adoptierte probleme mit adoptierten kindern adoption folgen adoption bei psychischer erkrankung adoption folgen für das kind bert hellinger adoption adoptiert psychische probleme site:adoption-forum.phpbb8.de probleme von adoptierten erwachsenen

Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Gehe zu:  
Beteilige Dich mit einer Spende
cron
© phpBB® Forum Software | phpBB3 Forum von phpBB8.de
» Kontakt & Rechtliches Support / Hilfe Forum Gooof Webdesign Kostenloses Forum Dein Forumo Forum web tracker