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AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Bin neu hier, erwachsen & adopdiert als 2-jährige
Ungelesener BeitragVerfasst: 15. Sep 2018 20:03 
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Neuling
Neuling

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ich bin: Adoptierte
Hallo zusammen,

vermutlich habt ihr das schon tausendmal durchgesprochen, aber ich würde gerne eure Meinung dazu hören:

Ich bin inzwischen 38 Jahre alt und bin im Alter von 2 Jahren adoptiert worden. Von meinen Großeltern, was das ganze nicht einfacher macht. Also: Die Leute, die ich immer schon meine Geschwister genannt habe, sind eigentlich meine Onkels & Tanten. Was Grundätzlich zu Verwirrungen führt, also kommt auch im allgemeinen auch die Frage auf, warum meine Geschwister soviel älter sind. Oder warum meine Nichten und Neffen mir vom Alter her viel näher sind.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe im Laufe der Jahre festgestellt das ich nicht so gut mit Nähe und Verlassen weden klar komme; und es wird immer schlimmer je älter ich werde. Das erscheint mir wie ein Fluch. Als ob ich im Unterbewusstsein denke, dass ich die Nähe nicht wert bin. Wenn sich ein Mensch, der mir wichtig ist, verabschiedet, denke ich dass das ja klar war. Wenn der sich nicht verabschiedet (also mich "ghosted"), denke ich das das auch völig logisch ist - Bin ja schließlich ich, verlassen werden ist drin in det Grundhaltung. Beziehungen sind inzwischen gar nicht mehr drin - sobald sich ein Typ interessiert zeigt, bin ich weg.

Habt ihr Ideen oder Anregungen? Und jetzt kommt mir bitte nicht mit "Du brauchst ne Therapie"-bla bla.


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 Betreff des Beitrags: Re: Bin neu hier, erwachsen & adopdiert als 2-jährige
Ungelesener BeitragVerfasst: 17. Sep 2018 12:04 
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Oftschreiber
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ich bin: Adoptierter
Hallo,

ich bin von Geburt an adoptiert worden, allerdings von einem komplett fremden Ehepaar.

Ich kann das Problem voll und ganz nachvollziehen, spielt bei mir auch eine enorme Rolle.

Ich habe auch immer ein Problem mit engeren Kontakten oder Nähe. Ich denke mir oft, ob es einen anderen, bestimmten Grund (z.B. Vorteile) dafür geben muss, wenn jemand mit mir Kontakt haben will oder ob dies überhaupt ernst gemeint sein kann.

Ich denke auch immer, dass ich es doch gar nicht wert bin, von jemanden gewollt zu werden.

Dazu kommt noch, dass ich mittlerweile immer Streit aus dem Weg gehen will und irgendwie Angst davor habe, dass sich Kontakte auflösen könnten.

Irgendwie ein Teufelskreis, denn durch die Ausstrahlung und das Verhalten kommen ja Probleme in der Gesellschaft auf einen zu.

Wie zeigt sich das bei dir ? Kannst du Beispiele nennen ?


adoptiv


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 Betreff des Beitrags: Re: Bin neu hier, erwachsen & adopdiert als 2-jährige
Ungelesener BeitragVerfasst: 19. Sep 2018 21:15 
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Leider, Sonnenschein, ist dein Problem nicht neu, ich habe es hier schon oefter erwaehnt.
Meine Antwort wird dir jetzt nicht helfen a la weg isses, aber es koennte dir selber deine Verlustangst bewusster machen. Und was einem bewusst ist, mit dem kann man lernen umzugehen, zu akzeptieren, hinzunehmen, ohne Katastrophe.

Leben beginnt nicht mit der Geburt. Leben beginnt mit der Zeugung. In der Zeit nch der Zeugung schwimmst du in den Wassern deiner Mutter.
Du bekommst alles von ihr mit. Ihre Gefuehle, ihre Schwankungen, ihren Unmut, ihr Seuzen, ihre Liebe und die zu ihrem Mann, alles.
Denn du bist ja en Teil deiner Mutter, wie das Herz oder die Lunge. Du bist kein Anhaengsel.

Dieser Rhythmus, den du in Harmonie mit deiner Mutter lebst, wird fuer einen Moment gestoert, naemlich direkt bei der Geburt, beim Verlassen des Leibes. Aber du liegst sofort danach wieder am Leib der Mutter und fuehlst ihre Waerme, ihren Atem, ihren Rhythmus, ihren Herzschlag, ihre Gefuehle, ihre Ungeduld, alles. Es ist, als haettest du nur den Betrachtungsort gewechselt, aber das Betrachtungsziel, deine Mutter, blieb die gleiche.
Alles was dir Monatelang vertraut war, dir Sicherheit gab, dir einen Lebensrhythmus gab, ist weiter vorhanden.

Das ist der Idealfall.

Nun sollst du adoptiert werden. Du wirst wenige Tage nach der Geburt, aus der Vertrautheit gerissen, du wirst in eine fuer dich kalte erbarmungslose Welt geworfen, dein Lebensrhythmus, der jener deiner Mutter war, ist zerstoert, es ist nichts, gar nichts mehr da was dir vertraut war. Auch wenn es deine Grossmutter ist, so hat sie dennoch einen komplett anderen Lebenspuls als deine Mutter. Und die ersten vier Lebensahre sind das Geruest des Lebens.

Du bist also verlassen.
Du warst es nicht wert weiterhin im vertrauten Rhythmus deiner Mutter und deines kleinen Lebens zu leben.

Es ist erwiesen dass die praenatale Bindung, also die vorgeburtliche Bindung eine Wirklichkeit ist, die hier im Forum mitunter geleugnet wird, weils nicht ins Weltbild der "guten Tat" Adoption passt.

Du hast nicht nur das Urvertrauen in den Rhythmus deines Lebens verloren, du kommst dir deshalb auch Bedeutungslos vor.

Ta, was faengst du mit solcher Erkenntnis an?
Nichts. Du kannst das "gebrochene Herz" nicht eben mal reparieren.
Das kann auch kein Therapeut.

Das einzige, was du kannst, ist es zu lernen zu akzeptieren dass es ist, wie es ist. Diese Adoption, dieses herausreisen aus dem Urvertrauen, ist dein Schicksal, so wie manche Menschen blind geboren werden. Jammern und Klagen hilft nichts.

Meine Frau sagt immer , dass sie nur Gott vertraut, das einzig Bestaendige im Leben. Da hat sie recht. Er ist unser Schoepfer (auch wenn du oder andere das jetzt als spinnerei abtun) an ihn koennen wir uns wenden. Er wird es aber auch nicht aendern. Er wird es dir vielleicht hoechstens tragbarer machen.

Es ist schwer einzusehen dass wir verlassen werden, einsam sind, keine Bedeutung zu haben scheinen.

Ich kann dir nur einen einzigen Rat geben. Hoere auf dein Herz. eines Tages wirst du jemanden finden der den Rhythmus deiner Mutter hat,
der dir genau dieses vertraute gibt wonach du dich unbewusst sehnst.
Das finden geht nur ueber das Herz. Nicht ueber Geld oder Verstand.

_________________
Die Verbindung von Mann und Frau, aus der Kinder hervorgehen, ist eine Essenz. Die Verbindung zweier Erwachsener, die Kinder adoptieren, ist eine Konstruktion.
AndreasKs im Forum von MANNdat

Leibliche Eltern waren immer auch soziale Eltern und können nicht einfach auf den biologischen Ursprung reduziert werden.


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