Adoptionsforum

Austausch und Info von und für Betroffene rund um das Thema Adoption
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 Post subject: Die Wahrheit sagen
Unread postPosted: 6. Aug 2014 20:24 
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Neuling
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Einen schönen guten Abend zusammen!

Habe mich heute hier angemeldet und mich auch schon kurz vorgestellt, weil es auch in unserem Leben das Thema "Adoption" gibt und mir dazu einiges im Kopf rum schwirrt.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ich hier von Betroffenen Eltern wie auch Kindern Tipps und Ratschläge bekomme.

Zu unserer Geschichte:
Mein Mann und ich sind seit über 14 Jahren zusammen und haben mittlerweile 2 Kinder (unter 10 Jahre).
Als ich meinen Mann kennenlernte, erfuhr ich auch sofort von seinem Kind, welches bei einer kurzweiligen Bekanntschaft entstanden ist.
Da mein Mann und die Mama des Kindes keine Beziehung miteinander hatten, sie haben sich einige Mal über die Arbeit gesehen und bei einem Fest ist es dann passiert, lebten sie auch nie zusammen.
Bereits während der Schwangerschaft lernte die Frau ihren jetzigen Partner kennen, den sie auch nach einigen Jahren heiratete. Das Kind wächst dort im Familienverband auf und weiß leider noch nicht von seinem leiblichen Vater.
Nun besteht seit einiger Zeit Kontakt zwischen der Mama und meinem Mann und es steht das Thema Adoption im Raum, welches von der Mama, ihrem Mann und meinem Mann und auch mir befürwortet wird.
Da die Familie sehr weit von uns weg wohnt, kennen also nur mein Mann und die Frau sich persönlich, aber sie pflegen einen freundlichen und fairen Umgang miteinander.
Nun geht das Ganze aber so allmählich los und die Mama, die sich nie getraut hat dem Kind die Wahrheit zu sagen, möchte dies in den nächsten Wochen in Angriff nehmen.
Wir alle machen uns natürlich Gedanken, haben Angst vor der Reaktion und wir möchten einfach nur, dass es für da Kind (mittlerweile im Teenager-Alter) so sanft wie möglich passiert die Wahrheit zu erfahren.
Ich kann mir den Schock, dass das eigene Leben plötzlich völlig anders aussieht nur ansatzweise vorstellen und mir tut es sehr leid, aber es wir sicherlich so fairer sein, als irgendwann durch ein Todesfall oder so die Wahrheit zu erfahren.

Nun interessieren mich Eure Erfahrungen zu solchen "Aufklärungsgesprächen", wie geht man am besten vor? Gibt es überhaupt einen "guten Weg"?
Können mir betroffene Kinder etwas berichten? Wie hättet ihr es gerne erfahren?
Wie haben andere Eltern das Ganze vorbereitet, besprochen? Sollten wir zu der Zeit in der Nähe, also sofort abrufbar sein? Oder erstmal abwarten?
Fragen über Fragen....

Ich würde mich über freundliche Antworten freuen.

Vielen Dank!


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 Post subject: Re: Die Wahrheit sagen
Unread postPosted: 7. Aug 2014 08:10 
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Aus meiner Sicht der Dinge kann ich dazu nur sagen, dass es wichtig gewesen wäre, dass das Kind es frühzeitig erfährt. Je älter man ist, wenn man soetwas erfährt, desto größer ist der Schock und unso mehr wird das als Vertrauensbruch seitens der Eltern vom Kind empfunden. Ich kenne einige Adoptierte, die erst kurz vor ihrer Hochzeit erfahren haben, dass sie adoptiert sind (weil man da einen Abstammungsnachweis braucht), und bei allen, die ich kenne, hat das das Verhältnis zu den A-Eltern belastet oder zumindest stark verändert.

Wie hätte ich soetwas gerne erfahren? Ehrlich und von Anfang an.

Ich glaube nicht, dass es Sinn macht, wenn ihr in der Nähe seit. Das Kind wird so oder so erstmal geschockt sein. Da gleich den leiblichen Vater kennenzulernen wäre meines Erachtens viel zu viel. In so einer Situation braucht das Kind Zeit, das gehörte zu verarbeiten und sich drüber klar zu werden, wie es damit umgehen will.


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 Post subject: Re: Die Wahrheit sagen
Unread postPosted: 7. Aug 2014 09:04 
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@ Canella

Willkommen hier im Forum!

Zu deiner Frage:

Meiner Ansicht nach erfolgt die Aufklärung hier viel zu spät und gerade deswegen sollten die Eltern jetzt sehr vorsichtig vorgehen, aber die Wahrheit nicht häppchenweise auf den Tisch legen!
Ob und wann die/der Betroffene dann ihren/seinen wahren Vater kennenlernen will, muss man wenigstens jetzt alleine ihr überlassen.

Was nicht ganz klar geworden ist: wer ist denn offiziell als Vater eingetragen? Niemand, der echte Vater oder der Kuckucksvater?

Cornelia

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 Post subject: Re: Die Wahrheit sagen
Unread postPosted: 7. Aug 2014 09:05 
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@ Maurynna :boys_0120:

Quote:
Ich kenne einige Adoptierte, die erst kurz vor ihrer Hochzeit erfahren haben, dass sie adoptiert sind (weil man da einen Abstammungsnachweis braucht), und bei allen, die ich kenne, hat das das Verhältnis zu den A-Eltern belastet oder zumindest stark verändert.
Seit vielen Jahren nun beschäftige ich mich mit den Adoptionsprozessen, aber aus dem Mund einer Adoptierten habe ich das nur selten in der Deutlichkeit gelesen. Wenn jemand von der Herkunftsseite einen solchen Gedanken äußert, wird man in der Regel gleich eines Besseren belehrt, weil die Adoptiveltern ja schließlich die Menschen seien, die immer für einen da waren (im Gegensatz zu den biologischen Eltern, die nie da waren). Das ist irgendwie verständlich, aber ich glaube nicht, dass das die ganze Wahrheit ist.

Ich selbst habe dieses "viel zu spät aufgeklärt werden" immer aus meiner Sicht als "Kind" betrachtet, nicht als adoptivelternhassende Herkunfsmutter, und da ist mir bisher nicht ein Grund in den Sinn gekommen, warum man sein Kind nicht oder erst als Erwachsene/r aufklären sollte. Dazu kommt ja noch, dass gerade in den Fällen, wo es so spät erfolgt, das meistens noch nicht einmal auf Initiative der Eltern, sondern unkontrolliert durch Dritte, oder eben die Heiratspapiere erfolgt. Also selbst da haben die meisten Adoptiveltern bei der Aufklärung versagt.

Wie gesagt, wenn ich einfach nur als Mensch urteile, muss ich zu dem Schluß kommen, dass das ein Vertrauensbruch ist. Wenn dann derart hintergangene Adoptierte trotzdem felsenfest hinter ihren Adoptiveltern stehen, stimmt etwas nicht. Von ihrem Lebenspartner würden sich das sicher die Wenigsten bieten lassen.

Cornelia

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 Post subject: Re: Die Wahrheit sagen
Unread postPosted: 7. Aug 2014 10:27 
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Ich kenne einige Adoptierte, die erst kurz vor ihrer Hochzeit erfahren haben, dass sie adoptiert sind (weil man da einen Abstammungsnachweis braucht), und bei allen, die ich kenne, hat das das Verhältnis zu den A-Eltern belastet oder zumindest stark verändert.


Der Gesetzgeber hat ja nun dafür gesorgt, dass eine Entdeckung bei der Hochzeit nicht mehr möglich ist, da seit 2009 aus "Datenschutzgründen" niemand seinen vollständigen Auszug aus dem Geburtenregister bekommt, aus dem allein das Vorliegen einer Adoption ersichtlich würde - noch schlimmer als weiland in der DDR, da dort für eine solche Informationssperre ein Antrag der Adoptiveltern oder der leiblichen Eltern vorliegen musste, mit deren jeweiligen Tod diese Beschränkung erlosch.

In der BRD von heute (genauer gesagt, seit 2009) ist also durchaus nicht so, dass man "nur hätte fragen müssen", wie von radikalen Adoptionsbefürwortern und linken Medien gerne suggeriert wird. Letztes Jahr habe ich aufs Exempel versucht, einen vollständigen Geburtseintrag zu bekommen. Ha, von wegen!

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 Post subject: Re: Die Wahrheit sagen
Unread postPosted: 7. Aug 2014 11:35 
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 Post subject: Re: Die Wahrheit sagen
Unread postPosted: 7. Aug 2014 13:50 
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Hallo Canella

Es stehen ja zwei Sachen im Raum.
1. Die Aufklärung des Teenagers, dass der Mann, bei welchem das Kind angenommen hat, dass es sein leiblicher Vater ist, dies gar nicht ist, sondern ein anderer, ihm gänzlich unbekannter Mann. Dass die Aufklärung nicht früher stattgefunden hat war falsch, aber nun nicht mehr zu ändern. Nun gilt es, den "Schaden", der das Kind durch diese Offenbarung erleiden wird, möglichst in Grenzen zu halten. Wie man das angehen soll, weiss ich nicht.
2. Die beabsichtigte Adoption: Ich gehe davon aus, dass das Kind schon mit der Offenbarung der neuen Situation genug beschäftigt sein wird. Bereits jetzt das Thema Adoption auf den Tisch zu legen erachtet ich als verfrüht. Es wird Zeit brauchen, sich mit der neuen Ausgangslage auseinanderzusetzen. Vielleicht möchte es den leiblichen Vater kennenlernen. Es handelt sich um einen Teenager, dem frei überlassen werden sollte, eine Entscheidung über seine Adoption zu treffen. Ich rate dringend davon ab, über den Kopf des Kindes zu entscheiden und es in eine Situation hinein zu zwingen. Wer weiss schon, wie alles nach einem allfälligen Kennenlernen aussieht? Vielleicht kommt eine Adoption immer noch in Frage, vielleicht aber auch nicht.

Alles Gute, Ravenclaw


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 Post subject: Re: Die Wahrheit sagen
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@ Ravenclaw

Wenn die Familie des betroffenen "Kindes" in Deutschland lebt, könnte eine (Stiefkind)Adoption sowieso nicht ohne dessen Zustimmung stattfinden, denn es muss ja inzwischen deutlich über 14 Jahre alt sein (siehe Eingangsbeitrag von Canella).

Cornelia

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 Post subject: Re: Die Wahrheit sagen
Unread postPosted: 7. Aug 2014 22:59 
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Hallo Canella

Es stehen ja zwei Sachen im Raum.
1. Die Aufklärung des Teenagers, dass der Mann, bei welchem das Kind angenommen hat, dass es sein leiblicher Vater ist, dies gar nicht ist, sondern ein anderer, ihm gänzlich unbekannter Mann. Dass die Aufklärung nicht früher stattgefunden hat war falsch, aber nun nicht mehr zu ändern. Nun gilt es, den "Schaden", der das Kind durch diese Offenbarung erleiden wird, möglichst in Grenzen zu halten. Wie man das angehen soll, weiss ich nicht.
2. Die beabsichtigte Adoption: Ich gehe davon aus, dass das Kind schon mit der Offenbarung der neuen Situation genug beschäftigt sein wird. Bereits jetzt das Thema Adoption auf den Tisch zu legen erachtet ich als verfrüht. Es wird Zeit brauchen, sich mit der neuen Ausgangslage auseinanderzusetzen. Vielleicht möchte es den leiblichen Vater kennenlernen. Es handelt sich um einen Teenager, dem frei überlassen werden sollte, eine Entscheidung über seine Adoption zu treffen. Ich rate dringend davon ab, über den Kopf des Kindes zu entscheiden und es in eine Situation hinein zu zwingen. Wer weiss schon, wie alles nach einem allfälligen Kennenlernen aussieht? Vielleicht kommt eine Adoption immer noch in Frage, vielleicht aber auch nicht.

Alles Gute, Ravenclaw


Vielen Dank für diesen Hinweis!
Ja, das Kind muss einwilligen! Aber wir sollten wirklich nicht gleichzeitig mit der Wahrheit das Thema Adoption auf den Tisch bringen!
Erst mal die Wahrheit, dann Zeit lassen und abwarten, wie sich das Kind damit auseinandersetzt usw.

Das hätten die leiblichen Eltern wahrscheinlich nicht so beachtet. Ich werde es direkt weiter geben! :jc_doubleup:


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 Post subject: Re: Die Wahrheit sagen
Unread postPosted: 7. Aug 2014 23:02 
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@ Canella

Willkommen hier im Forum!

Zu deiner Frage:

Meiner Ansicht nach erfolgt die Aufklärung hier viel zu spät und gerade deswegen sollten die Eltern jetzt sehr vorsichtig vorgehen, aber die Wahrheit nicht häppchenweise auf den Tisch legen!
Ob und wann die/der Betroffene dann ihren/seinen wahren Vater kennenlernen will, muss man wenigstens jetzt alleine ihr überlassen.

Was nicht ganz klar geworden ist: wer ist denn offiziell als Vater eingetragen? Niemand, der echte Vater oder der Kuckucksvater?

Cornelia


Ja, es ist zu spät, aber leider leider nicht mehr zu ändern!
Wir hätten (hätten...hätten... kann man im nachhinein immer gut sagen ;) ) es auch bereits im Kleinkindalter mit ins Leben integriert das Thema, aber nun ist es so gekommen :(

Offiziell als Vater ist mein Mann, also der leibliche Vater eingetragen.

LG Canella


Last edited by Canella on 7. Aug 2014 23:14, edited 1 time in total.

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